1. Ziel des Beitrags
Die Benutzeroberfläche von Power Query sicher verstehen
Nachdem Sie in den bisherigen Beiträgen gelernt haben, wie Sie Power Query starten, Datenquellen anbinden und erste Transformationen durchführen, gehen wir nun einen entscheidenden Schritt weiter:
Sie lernen die Oberfläche des Power Query Editors im Detail kennen.
Denn nur wenn Sie die einzelnen Bereiche wirklich verstehen, können Sie effizient arbeiten und Power Query gezielt einsetzen. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen:
- wie der Power Query Editor aufgebaut ist
- welche Bereiche welche Aufgaben haben
- wie Sie sich sicher in der Oberfläche bewegen
- worauf Sie besonders achten sollten
2. Warum die Oberfläche so wichtig ist
Power Query ist kein klassisches Excel-Tool. Während Sie in Excel direkt in Zellen arbeiten, arbeiten Sie in Power Query prozessbasiert:
- Jeder Klick erzeugt einen Schritt
- Jeder Schritt wird gespeichert
- Alles ist nachvollziehbar und reproduzierbar
Genau dafür ist die Oberfläche optimiert. Der Editor besteht aus mehreren Bereichen, die perfekt zusammenspielen.
Zum Vergleich:
| Aspekt | Excel | Power Query |
|---|---|---|
| Arbeitsweise | Zellenbasiert | Schrittbasiert |
| Nachvollziehbarkeit | Gering | Hoch |
| Originaldaten | Werden verändert | Bleiben unberührt |
3. Überblick: Die 5 zentralen Bereiche
Die Oberfläche des Power Query Editors gliedert sich in fünf Hauptbereiche:
3.1 Menüband (oben): Hier steuern Sie alle Aktionen.
3.2 Abfragen-Bereich (links): Hier verwalten Sie Ihre Datenquellen und Ordner.
3.3 Datenvorschau (Mitte): Hier sehen und bearbeiten Sie Ihre Daten.
3.4 Abfrageeinstellungen (rechts): Hier steuern und dokumentieren Sie Ihre Transformationen.
3.5 Statusleiste (ganz unten): Hier sehen Sie auf einen Blick die Anzahl der Spalten und Zeilen sowie den Ladestatus.

4. Das Menüband – Ihr Werkzeugkasten
Das Menüband funktioniert ähnlich wie in Excel – ist aber auf Datenaufbereitung spezialisiert.
Die wichtigsten Registerkarten
Start: Die zentrale Steuerzentrale. Funktionen: Datenquelle ändern, Spalten auswählen, Zeilen filtern, Abfrage schließen & laden.
Wichtig: Über den kleinen Pfeil unter „Schließen & laden“ können Sie wählen, ob die Daten nur als Verbindung im Hintergrund bleiben (z. B. für spätere Ladevorgänge) oder direkt in eine Excel-Tabelle geladen werden sollen.
Transformieren: Verändert bestehende Daten (z. B. Datentypen ändern, Spalten teilen, Werte ersetzen, Gruppieren).
Spalte hinzufügen: Erzeugt neue Informationen (z. B. Benutzerdefinierte Spalten, Bedingte Spalten). Vergleichbar mit Formeln, aber strukturierter.
Wichtig – Transformieren vs. Spalte hinzufügen: Beide Registerkarten bieten teilweise dieselben Funktionen, verhalten sich aber grundlegend anders. „Transformieren“ verändert die bestehende Spalte direkt – die Originaldaten in dieser Spalte werden überschrieben. „Spalte hinzufügen“ lässt die Originalspalte unangetastet und erzeugt stattdessen eine neue Spalte mit dem Ergebnis. Welche Option die richtige ist, hängt davon ab, ob Sie Ihre Ausgangsdaten erhalten möchten oder nicht.
Ansicht: Arbeitsumgebung steuern.
Wichtig: Aktivieren Sie hier unter „Ansicht“ das Häkchen bei Bearbeitungsleiste, um den Code hinter Ihren Klicks direkt sehen zu können.
💡 Praxis-Tipp: Viele Funktionen aus dem Menüband finden Sie auch per Rechtsklick direkt auf einer Spalte – oft der schnellste Weg. Besonders praktisch ist hier die Funktion „Nach unten auffüllen“ (Fill Down), die im Menüband etwas versteckt ist.
Nützliche Tastenkombinationen
| Shortcut | Funktion |
|---|---|
Alt + F5 | Alle Abfragen aktualisieren |
Strg + Klick | Mehrere Spalten gleichzeitig auswählen |
Strg + W | Abfrage-Editor schließen |
5. Der Abfragen-Bereich – Ihre Datenstruktur
Auf der linken Seite sehen Sie alle Abfragen. Hier passiert Folgendes:
- Auswahl der aktuellen Abfrage
- Organisation mehrerer Datenquellen (auch in Ordnern/Gruppen)
- Erstellung neuer Abfragen sowie Duplizieren oder Verweisen
💡 Praxis-Tipp: Strukturieren Sie Ihre Abfragen früh sauber (z. B. „Rohdaten“, „Transformation“, „Auswertung“). Das zahlt sich bei größeren Projekten enorm aus.
Wichtig: Unter dem Register Ansicht im Menüband finden Sie die Funktion „Abfrageabhängigkeiten“ – dort sehen Sie grafisch, welche Abfrage auf welcher basiert. Unverzichtbar zur Fehlersuche, sobald Sie mit mehreren verknüpften Abfragen arbeiten.
6. Die Datenvorschau – Hier arbeiten Sie wirklich
Die Mitte ist Ihr Schaufenster. Sie sehen eine Vorschau (meist die ersten 1.000 Zeilen) Ihrer Daten.
Spaltenqualität aktivieren
Gehen Sie auf das Register Ansicht und setzen Sie ein Häkchen bei Spaltenqualität. Wenn Sie direkt daneben auch „Spaltenverteilung“ aktivieren, sehen Sie zusätzlich Balkendiagramme unter den Spalten – perfekt, um Ausreißer oder ungleiche Verteilungen sofort zu erkennen.
Datenqualität auf einen Blick
Sobald die Spaltenqualität aktiviert ist, sehen Sie farbige Balken unter den Überschriften:
- 🟢 Grün = Gültige Werte
- 🔴 Rot = Fehlerwerte
- ⬜ Grau = Leere Zellen

Neben den Qualitätsbalken sehen Sie kleine Datentyp-Symbole (ABC, 123, Kalender etc.). Ein Klick darauf reicht aus, um den Datentyp schnell zu ändern – oft schneller als über das Menüband.
Wichtig: Power Query kennt keine Formatierungen im Excel-Sinne. Wenn Sie eine Spalte als Datum definieren, speichert Power Query dies intern als Zahl. Die spätere Darstellung im Excel-Blatt steuern Sie separat über die Zellformatierung.
Aktionen in der Datenvorschau
Filtern, Sortieren und Spalten bearbeiten – alles über die Dropdown-Menüs der Überschriften.
Wichtig zu verstehen: Power Query verändert nicht die Originaldaten, sondern nur die Darstellung und Transformation in dieser Vorschau.
7. Abfrageeinstellungen – Das Herzstück von Power Query
Der rechte Bereich ist der wichtigste Unterschied zu Excel.
7.1 Eigenschaften
Name der Abfrage und optionale Beschreibung.
7.2 Angewendete Schritte
Das „Protokoll“ Ihrer Arbeit. Jede Aktion wird hier gespeichert (Quelle, Geänderter Typ, etc.).
Das Zahnrad-Symbol: Erscheint neben vielen Schritten. Ein Klick darauf öffnet das Einstellungsfenster des Schritts erneut – Sie können Parameter also jederzeit anpassen, ohne den Schritt zu löschen.

💡 Praxis-Tipp (sehr wichtig): Benennen Sie Schritte sinnvoll um (Rechtsklick → Umbenennen) – das erhöht die Verständlichkeit für Kollegen und Ihr „zukünftiges Ich“ enorm.
💡 Praxis-Tipp (wichtig fürs tägliche Arbeiten):
- Klicken Sie auf einen Schritt → die Datenvorschau zeigt exakt den Zustand nach diesem Schritt.
- Rechtsklick auf einen Schritt → Löschen, Verschieben (Drag & Drop) oder Umbenennen.
8. Die Statusleiste (ganz unten)
Hier sehen Sie auf einen Blick:
- Anzahl der angezeigten Zeilen und Spalten
- Ladestatus („Wird geladen…“)
- Hinweise auf Fehler oder Warnungen
9. Die Formelleiste & der M-Code
Fortgeschrittene können zusätzlich mit der Formelsprache M arbeiten.
Bearbeitungsleiste: Zeigt den M-Code des in den Abfrageeinstellungen markierten Schritts. Hier können Sie den Code manuell anpassen.

Erweiterter Editor: Zeigt das komplette Skript der Abfrage (Register „Ansicht“). Hier können Sie alle Schritte auf einmal einsehen und direkt bearbeiten. Sie können den Erweiterten Editor im Menüband unter der Registerkarte Start und hier in der Befehlsgruppe Abfrage aktivieren.

💡 Tipp: Eine ausführliche Einführung in die M-Sprache folgt in einem eigenen Beitrag dieser Reihe.
10. Häufige Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
Gerade am Anfang passieren immer wieder die gleichen Fehler:
„Meine Daten werden nicht aktualisiert.“
→ Haben Sie auf „Schließen & laden“ geklickt? Ohne diesen Schritt werden Änderungen nicht in Excel übernommen.
„Power Query zeigt einen Fehler in einer Spalte.“
→ Prüfen Sie den Datentyp. Oft ist eine Spalte als Zahl definiert, enthält aber Text oder Leerzeichen.
„Ich habe einen Schritt gelöscht und Strg+Z funktioniert nicht.“
→ Power Query kennt kein klassisches Rückgängig. Gelöschte Schritte sind unwiderruflich weg – Strg+Z hat hier keine Wirkung.
„Meine Abfrage lädt ewig.“
→ Prüfen Sie, ob unnötige Abfragen aktiv geladen werden. Abfragen, die nur als Zwischenschritt dienen, sollten als „Nur Verbindung“ gespeichert werden.
11. Zusammenspiel der Bereiche (Praxisverständnis)
So arbeiten die Bereiche zusammen:
- Sie wählen links eine Abfrage.
- Sie betrachten die Daten in der Mitte (und prüfen die grünen Qualitätsbalken).
- Sie nutzen das Menüband oder den Rechtsklick für eine Aktion.
- Der Schritt wird rechts gespeichert und der M-Code oben in der Leiste aktualisiert.
Die Bereiche lassen sich übrigens mit den kleinen Pfeilen am Rand ein- und ausblenden – praktisch, wenn Sie mehr Platz für die Datenvorschau brauchen.
12. Fazit
Die Oberfläche von Power Query wirkt am Anfang ungewohnt – ist aber logisch aufgebaut:
- Menüband = Werkzeuge
- Links = Struktur & Abhängigkeiten
- Mitte = Daten & Qualität
- Rechts = Logik & Dokumentation
Sobald Sie dieses Prinzip verstanden haben, wird Power Query deutlich einfacher.
Navigation innerhalb der Power-Query-Serie
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- 🧭 Zur Übersicht: Power Query-Serie auf Excel-Meister.de
Austausch & Fragen
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Dort diskutiere ich regelmäßig über Excel, Power Query und Controlling-Themen.
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